Abrechnung von Leistungen im Akutkrankenhaus
Im
Jahr 2003 wurde in den Operationenschlüssel (OPS 301) eine
Abrechnungsziffer für Künstlerische Therapie (Kunsttherapie, Musiktherapie u.a.)
aufgenommen. Der Operationenschlüssel OPS beschreibt die ICD-10-Diagnosen und
die dazugehörigen Maßnahmen/ Tätigkeiten. Unter Künstlerischer Therapie sind
therapeutische Maßnahmen zu verstehen, bei denen künstlerische Mittel als
therapeutische Mittel eingesetzt werden.
Der
erfolgreichen Abbildung und Codierung künstlerisch-therapeutischer Leistungen
sind seit 2002 große Anstrengungen bezüglich Vernetzungsarbeit und
Studienrecherche vorausgegangen. Alle im Akutkrankenhaus tätigen Künstlerischen
Therapeutinnen und Therapeuten sollten sich die OPS-301/Version ab 2007/Text
Ziffer 9-401.4 bei http://www.dimdi.de ansehen und die Ziffer auch benutzen.
Mittlerweile
wurde „Künstlerische Therapie“ in weitere Einzel- und
Komplexabrechnungsziffern aufgenommen. Eine Anleitung zur Kodierung finden Sie
im Downloadbereich unter OPS-Kodierleitfaden.
Die
Abrechnungsziffer 9.401-4 ist eine direkte Folge der Resolution "Resolution
zur Stärkung der psychosozialen Versorgung im Akutkrankenhaus". Auch die
sechs Mitglieder der Kasseler Konferenz (KK) gehörten zu den 145 Vereinigungen
mit insgesamt weit über 1 Million Mitgliedern, die die Resolution unterzeichnet
haben und die beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und
Information ( DIMDI) eingereicht wurde. Die weitere gesundheitspolitische Arbeit
wurde dann vor allem vom Deutschen Fachverband für Kunst- und
Gestaltungstherapie (DFKGT) und vom Berufsverband für Anthroposophische
Kunsttherapie (BVAKT) geleistet. Hier ist an erster Stelle Bettina
Kunzmann (Diplom-Kunsttherapeutin, DFKGT) für die kontinuierliche
Bearbeitung der Thematik zu danken.
Nach
dem Einbringen der Resolution 2002 war die nächste große Aufgabe, Angaben zu
Relevanz, Häufigkeit, Kosten, der Unterscheidbarkeit und der Eigenständigkeit
zu erbringen. Durch zwei große Erhebungen des DFKGT und des BVAKT
(Berufsverband für Anthroposophische Kunsttherapie) konnten Statistiken
erarbeitet werden, die stellvertretend für ALLE Künstlerische Therapien zu
Verfügung gestellt wurden.
Frau
Kunzmann nahm Kontakt zu Dr. David Aldridge (damals: Lehrstuhl für Qualitative
Forschung, Institut für Musiktherapie, Uni Witten/Herdecke) auf, der
vor allem bei der Studienrecherche für Anträge auf Aufnahme der Künstlerischen
Therapien in AWMF-Leitlinien[1]
sehr hilfreich war, indem er auch Studien kostenlos zur Verfügung gestellt hat.
Die
Verankerung der Prozedur 9-401.4 im OPS heisst jedoch nicht, dass sie absolut
"sicher" ist, denn bei jeder neuen Überarbeitung kann diese Ziffer
gestrichen werden. Daher ist es wichtig, dass die Ziffer benutzt wird. Alle im
Akutbereich tätigen Künstlerischen Therapeutinnen und Therapeuten sollten in
ihrer Klinik nachforschen, ob die Ziffern benutzt werden.
Fallpauschalen - die berufspolitischen Auswirkungen des neuen Abrechnungssystems
lt. Art. 4 Gesundheitsreformgesetz 2000
Die Einführung von Fallpauschalen (DRGs = Disease Related Groups) auch im ambulanten Bereich und in der Psychiatrie ist bereits in Vorbereitung. Grundlage wird der vorhandene Katalog aus dem Akutkrankenhaus-Bereich sein. Es ist von außerordentlicher Bedeutung, dass die Künstlerischen Therapien bereits dort abgebildet sind. Der Erfolg rechtfertigt nachträglich das phasenweise workoholic-artige Arbeiten - immer unter enormem Zeitdruck - von Einzelpersönlichkeiten insbesondere im DFKGT und BVAKT ….
Allerdings wird die Arbeitsbelastung nicht weiter so konzentriert auf Einzelne sein dürfen, das notwendige Engagement muss auf mehr Schultern verteilt werden. Es ist verständlich, dass sich Frau Kunzmann nach fast 5jährigem „Dauerlauf“ aus der Arbeit der AG DRG FKT zurückgezogen hat. Die Einführung der DRGs in weitere medizinische Arbeitsfelder lässt schon jetzt erneut einen riesigen Arbeitsaufwand für die psychosozialen Verbände erkennen.
Verfasserinnen: Cornelia Notholt (BVAKT) und Ilse Wolfram (BVM)
[1]
In der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften) sind 151
wissenschaftliche Fachgesellschaften (Stand Januar 2006) aus allen Bereichen
der Medizin zusammengeschlossen. Infos: www.awmf-online.de